Tsapold's Tagebuch - Pforte des Grauens
- Manuel Vogelsänger

- 26. Feb.
- 29 Min. Lesezeit
Aktualisiert: vor 3 Tagen

Warum nur, können nicht Taten zählen? Ich habe Könige gerettet, Drachen besiegt, gegen Seeschlagen und Dämonen gekämpft, aber meine Heimat, mein Haus, das Erbe meiner Familie bleibt mir vorenthalten. Alles nur wegen Wortverdrehenden Spitzfindigkeiten meines nichtsnutzigen und dreisten Vetters. Nahezu ein Jahr verbringe ich die Zeit mit Formularen, Anhörungen, ja entwürdigenden Bittstellungen bei Beamten, deren ehrenvollsten Taten darin besteht, beim stempeln von Pergamenten nichts zu verschmieren.
Tseldas Auftauchen in Greifenfurth und ihre beinahe obszöne Gleichgültigkeit ihrer Verantwortung gegenüber der Familie, schlug dem Fass den Boden aus, muss ich sagen. Es ist infam und naiv, dass die Praioskirche gerade sie mit einer Aufgabe höchster Wichtigkeit beauftragt, so ist sie doch eines der durchtriebensten kleinen Biester, die man Schwester nennen muss. Was aus den Niederhöllen hat Ucurian Yago so verblendet? Zum Glück nur, dass er auch Leuenpraios gefunden hat, um dessen Erfahrung und Weisheit, vor Allem aber um dessen Einfluss auf Tselda zu nutzen. Es ist durchaus schade, dass diese kleine Episode, das sehr unterhaltsame Treffen von Freunden im Rondarios getrübt hat.
Wie auch immer, sie ist bereits vor Tagen mit Leuenpraios und Freuden weitergezogen. So sehr sie mich auch zum Kochen bringt, ich wünsche ihr den Erfolg und die Einsicht, das richtige zu tun.
Tage später tauchte sie mit Leuenpraios wieder auf, um ehrlich zu sein, warum, kann ich gar nicht sagen. Der Empfang war ebenso herzlich, wie überflüssig und so erreichte mich ein Brief von Wiedbrück, während wir in Greifendurth standen und uns Nettigkeiten gegen den Kopf warfen. Wiedbrück ist wohl in Tuzak, um einem größeren Komplott auf den Grund zu gehen. Und scheinbar benötigt er meine Hilfe. Als ich von diesem sechsfingerigen Mann gelesen habe, wurde mir übel. Gerade noch in Arras de Mott gesehen, würde er jetzt in Maraskan sein? Was will Borbarad dort?

Wenn der Brief nur ein paar Tage eher eingetroffen wäre, dann hätte ich direkt noch im Rondarios alle zusammentrommeln können. Besonders Minobe sollte mich begleiten, Tuzak ist ihre Heimat. Erst vor Kurzem habe ich gehört, dass sie auf dem Weg nach Punin ist. Dann verliere ich besser keine Zeit. Unsere Kutsche und Boris sind in Trallop, dort nützt sie mir nichts. Ich werde reiten. Zu meiner Überraschung, meldete Tselda an, dass sie ebenfalls nach Punin müsse. Soll sie, aber nicht mit mir. Sie könnte zu Pferde ohnehin nicht mithalten.
In Punin, dauerte es nicht lange, bis ich herausfand, dass Reto und Rondario ebenfalls zu Gegen waren und Gom sollte sowieso hier sein, hab ich gehört. Also trafen wir uns im Einhorn, wo dann auch sehr bald Minobe auftauchte. Sie hatten noch Persephone dabei, die kleine Kopfgeldjägerin, die ich schon im Rondarios gesehen hatte. Das Leopardentatoo ist schon ziemlich... Halt, jetzt nicht! Reto wurde von der Efferdkirche in den Rang eines Hochgeweihten berufen. Mein Stammloka... entschuldigung, der Sündenpfuhl im ehemaligen Efferdtempel in Baliho ist wohl bald Geschichte. Außerdem scheint es, als ob Reto und Minobe als Gezeichnete, sich gegenseitig orten könnten. Nicht genau, aber wie ein innerer Kompass, die die beiden wissen läst, in welcher Himmelsrichtung sie sich gegenseitig befinden. Erstaunlich. Noch erstaunlicher war, dass auch Tselda wenig später im Einhorn auftauchte. Warum? Entweder ist sie zu Verstand gekommen und möchte endlich von mir lernen oder sie hat etwas im Sinn, dessen Bedeutung sich nur ihn ihrem Querkopf enthüllt.
Ich erzähle den anderen gerade von Wiedbrücks Brief, da stubst Tselda Gom an, um ihm mittzuteilen, dass eine blinde Boron Akolythin zu und kommt. Die Begrüßung der beiden war redeelig wie immer. Im Raum war es still, alle Augen ruhten auf der Akolythin und Gom, dennoch vermochten wir alle nichts zu hören. Erst, als sie wieder weg war, Gom sich noch immer Still zu uns umdrehte, und ich glaube Persephone mit der Frage rausplatzte, was die Akolythin Gom denn nun gesagt hätte, bekamen wir die Information, dass uns seine Erhabenheit Braham Nasir, Höchstgeweihter der Boronkirche zu einer Audienz empfängt.
Ich denke, ich spreche für alle, wenn wir gelinde gesagt etwas überrascht waren, aber dies war eine Aufforderung, die man nicht ignoriert. Also machten wir uns nach dem Essen auf zum Borontempel, der, wie ich sagen muss, wirklich sehr beeindruckend ist. Auch hier übernahm Gom unsere Anmeldung, wobei ich hätte auch hier schwören können, dass weder Gom noch der Golgarit vor dem Tor auch nur ein Wort gesprochen haben. Wir fanden uns schnell bei Braham Nasir wieder. Bei ihm Kommandante Andranez, als Vertreiterin des Al'Amfaner Ritus Borons, Gernot von Mersingen, Oberbefehlshaber der Golgariten und eine Person oder Gestalt, deren Bezeichnung "Des Raben linke Hand" ist. Nun, Letzte hätte auch genauso gut eine Statue sein können, denn sie hat sich genau gar nicht bewegt, zu keiner Zeit.
Von seiner Erhabenheit erfuhren wir, das eine Lieferung Endurium in der Gegen um Tuzak abhandengekommen sei, dies aber nicht das erste Mal gewesen ist. Damals bekannten sich die maraskanischen Separatisten zu der Tat, aber dieses Mal schien es wohl nicht so klar. Er beauftragt uns damit, nach Tuzak, um dort der Sache auf den Grund zu gehen. Der Zufall scheint hier unser Begleiter, zu sein. Oder etwa nicht?
Von Gebürstetem Staub und reinem Hass
Was wir von Seiner Erhabenheit Braham Nasir erfuhren, war beängstigend. Gesandte des Boron Kults aus Al'Anfa und KGIA-Agenten wurden auf der Suche nach dem Endurium nicht einfach nur getötet – sie wurden enthauptet. Und schlimmer noch: Ihre Köpfe wurden vor dem Borontempel in Tuzak zur Schau gestellt. Eine Machtdemonstration und eine deutliche Botschaft. Mehr noch, ein ganzes Banner Drachengardisten ist verschwunden. Meiner Erfahrung nach, benötigt es deutlich mehr, als Separatisten, um soetwas zu vollbringen. Der Auftraggeber war klar: Wir sollten nach Tuzak reisen und der Sache auf den Grund gehen. Um ehrlich zu sein, ehrt es mich ungemein, dass Nasir uns damit beauftragt, für Klarheit zu sorgen, allerdings sollte Demut ein Begleiter sein. Wenn Borbarad da mit drinsteckt, dann können uns nur die Götter helfen.
Wir nahmen den Auftrag an, auch weil Wiedbrück scheinbar einer ähnlich Sache auf der Spur ist. 15 Dukaten Handgeld und Pferde für die Reise über den Raschdulswall. Seine Erhabenheit segnete uns alle persönlich – ein Privileg, das man nicht leichtfertig ablehnt. Am nächsten Morgen sollten wir aufbrechen.
Wir ritten früh los und erreichten Then am späten Nachmittag. Eine kurze Rast, aber notwendig. Hinter dem Gebirge beginnen die Tulamidenlande und Dukaten, sind nicht mehr gern gesehen. Tselda bot sich an, in Then einen guten Kurf für uns auszuhandeln. Sagen wir so, wie wird das sicher können, aber allein würde ich sie das dennoch nicht erledigen lassen.
Was dann folgte, war wohl eines der seltsamsten Unterhaltungen, denen ich je beiwohnte.
Tselda ging scheinbar zufällig auf einen Mann in der Taverne zu und begannen ein Gespräch. Allerdings nicht, wie man sich das irgendwo in Aventurien vorstellen könnte.
"Heute hat mir der Morgen die Schuhe geborgt", sagte Tselda.
Der Mann: "Dann hat der Abend jetzt nasse Füße."
"Nur links", sagte sie. "Rechts ist er noch nicht angekommen."
Und so ging es weiter. Gedanken, die aus Ärmeln fallen. Stürme, die sich als Dienstag vorstellen. Münzen, die stehen bleiben. Fische, die beschließen, keine Fische zu sein. Eine Treppe, die seitwärts wächst.
Den Gesichtern aller Anwesenden nach, muss meines einer Attraktion würdig gewesen sein. Ich verstand rein gar nichts, Tselda und der Mann allerdings sehr wohl. Sie nickten an den richtigen Stellen. Sie antworteten sinnvoll auf Unsinn. Und zum Abschluss:
"Wenn der Mond morgen rückwärts geht, werde ich den Staub bürsten", sagte der Mann.
"Dann werde ich die Federn falten", erwiderte Tselda.
"Falte sie vorsichtig."
"Immer."
Sie erhoben sich. Niemand sah Geld. Niemand sah Beutel. Aber das Geschäft war erledigt.
Als Tselda an mir vorbeiging, flüsterte sie: "Man sollte nie mit einer Treppe handeln, die seitwärts wächst."
Der Mann antwortete von hinten, fast flüsternd: "Außer sie hat sieben Schatten."
Ich verstehe nicht, was dort geschah. Aber ich weiß, dass es geschah. Was habe ich da gesehen, fragte ich Tselda? Und Tselda grinste nur und zwinkerte mir zu, als würde sie sagen wollen. "Ja, so machen das die Großen."
Am nächsten Morgen ritten wir weiter über den Raschdulswall - mit Tulamidenwährung und das auch noch zu einen wirklich guten Wechselkurs. Am Abend des 22. Rajah erreichten wir die Quelle des Borbun, kurz vor dem Pass. Der 23. Rahja bestand aus nichts weiter, als Bergen und Tälern, Felsen und brennender Sonne. Am 24. Rajah erreichten wir dann den Passsattel.

Minobe und Rondario geboten zum halten. "Da, schon wieder", riefen sie fast uni sono. Eine einzelne Gestalt, ein paar hundert Meter entfernt. Immer wieder. Immer derselbe Mensch, als würden wir beobachtet. Minobe flog sofort hin. Rondario teleportierte sich hinter ihm. Was folgte, war aufschlussreich und verstörend zugleich. Der Mann hasste uns. Minobe sah es in seinen Gedanken: Reiner, abgrundtiefer Hass. Gegen jeden Einzelnen von uns. Und er war beauftragt worden, uns zu beobachten. Von wem? Das konnte sie nicht sehen. Der Mann selbst antwortete nicht – jeder Frage wich er aus. Mit jedem Ausweichen, kam er dem Abhang näher, bis er schließlich einfach hinuntersprang, sich aber dann einfach in Luft auflöste.
"Transversalis", meinte Rondario – das, was er getade selbst getan hatte.
Tja, ich schätz, dass Borbarad bereits weiß, dass wir auf dem Weg nach Tuzak sind. Arras de Mott steckt ihm vermutlich noch in den Knochen. Ich hoffe nur, dass er im vergangnene Jahr nicht zu sehr an Stärke dazugewonnen hat.
Wir reisen weiter. Erkenstein am 26. Rajah. Durhans Zauberküche – ein Ort voller Seltsamkeiten. Der garethi Dialekt hier ist hanebüchen. Mit Tulamidya ist man hier deutlich besser dran. Reto schlägt vor, nein eigentlich bestimmt er, dass wir uns von nun an auf seinem Medium fortbewegen. Die Pferde verkaufen wir und ab Selicum reisen wir mit dem Floß weiter. Ab Vishid: Flussschiff. Die Flussfahrt nach Samra war lang, aber ruhig.

Am 30. Rajah schließlich erreichten wir Samra am Abend. Aber irgendetwas war anders. Die beiden Gezeichneten – Reto und Minobe – spürten es: Hasspulse. Wellen von Hass auf Borbarad. Wir passierten Zamorrah. Vor etwa 400 Jahren war Borbarad dort aktiv. Sein Wirken hinterließ Narben auf dem ganzen Kontinent, aber hier besonders. Die Gor in der Ferne, der Ort an dem Rohal Borbarad verbandte, macht sie Sache nicht gerade besser.

Morgen beginnen die namenlosen Tage. Dieser Ort scheint alles andere als geeignet zu dieser Zeit. Aber wir sind hier und im Raschdullah-Glauben findet am 1. Tag des Namenlosen Feiertag statt.Zum feiern ist uns allerdings nicht zu Mute. Wir uns um eine Unterkunft hiesigen in der Garnion. Es ist ziemlich ruhig, alle Geschäfte schließen, alles wird veräumt und verschlossen. Hoffentlich ist das nicht die Ruhe vor dem Sturm.
Zamorrah, Gor und Rashdul
Wir verbringen die Nacht zum 1. Tag des Namenlosen in der Garnison. Sie verläuft durchaus ruhig, aber dennoch erhasche ich nicht allzu erholsamen Schlaf. Am nächsten Morgen können wir einen Novadi Kapitän eines Flussschiffes dafür gewinnen, uns nach Raschdul zu fahren. Als Tselda und Persephone das hören, zucken sie etwas zusammen und sehen sich seltsam verstohlen an. Offenbar möchte meine Schwester nicht wirklich darüber reden, nichts anderes habe ich erwartet, Persephone aber auch nicht. Hoffentlich erwartet mich keine böse Überraschung dort.
Die Fahrt verläuft ruhig. Wir passierten die Siedlung Borbra ohne zu halten, immer ist die Gor unser Begleiter - unangenehm. Erst in der Nacht legten wir an, da das Schiff ohne Licht nicht vorankam. Die Novadi, die das Schiff führen, boten uns Speis und Trank. Sie erzählten von den aktuellen Wirren in dieser Region – Unruhen, die wie ein Lauffeuer um sich greifen. Der Kapitän, sie nennen ihn nur Sahib, erklärt uns, dass er in Rashdul einen Tag bleibt, um Waren zu kaufen, dann weiter nach Khunchom möchte.
Wir sind erleichtert, je weiter wir uns von der Gor entfernen. Diese Wüste ist legendär – und böse. Dort fand die letzte Schlacht zwischen Borbarad und Rohal statt. Dort wurde der Borbarad verbannt. Minobe war bereits dort, hatte sich schon einmal gegen Liscom von Fasar behaupten müssen. Dort ist ihr auch Teclador begegnet. Man sagt, dass dort noch immer ein Elf namens Elrith herumirrt, der von einem Totenschädel verfolgt wird. Er war damals mit Minobe in der Gor.
In Rashdul angekommen verliert Gom keine Zeit und marschiert direkt zum Borontempel des Puniner Ritus. Ein Priester grüßt nach "wortreich" Boron-Manier und schaut fragend. Gom ist knapp und präzise wie üblich. Als würde er für jedes Wort zu viel zahlen müssen. "Ich bin im Auftrag der Boronkirche unterwegs und möchte Erkundigungen einholen." Scheinbar genügte dies und er wird hineingeführt. Der Priester berichtet von Unruhen in Sinoba, einer Seeblockade und mehreren Rebellengruppen, die sich zusammenrotten. Nicht viel mehr, als wir ohnehin schon wissen.
Reto wiederum, stattet dem Boron Tempel das Al'Anfaner Ritus einen Besuch ab. Er ist direkt und formell, Reto eben.
"Ich wünsche zehn Minuten Zeit beim Tempelvorsteher."
"In welcher Angelegenheit?"
Reto zeigt sein Emblem, welches wir alle von der Al'Anfaher Geweihten in Punin bekommen hatten. Offenbar mehr als genug und Reto wird direkt zum Tempelvorsteher vorgelassen:
"Was kann ich für Euch tun?"
Reto berichtet: "Die Zwölf sind in Unruhe versetzt. Aus Punin haben wir die Information erhalten, dass Köpfe eurer Spezialeinheiten von Aufständischen vor dem Tempel von Tuzak auf Maraskan drapiert wurden. Habt ihr eventuell Informationen dazu?"
Die Reaktion des Tempelvorsehers ist ernst:
"Maraskan ist in Aufruhr. Nekromantische Aktivitäten verstärken sich dort. Am 22. Ingrimm gab es eine Erschütterung der Sphären – große Besorgnis macht sich breit.".
Das Gespräch ist dann auch beendet. Reto verbleibt im Tempel. Er sendet sein Zeichen mit einer Nachricht zu Rondario. "Es gibt Neuigkeiten".
Persephone und Tselda begeben sich zum Phex-Tempel. Dort angekommen, verschwindet Tselda ziemlich schnell von der Bildfläche und Persephone steht allein da.
Ein Mann kommt auf sie zu: "Was verschlägt Euch hierher?"
"Ich hatte gehofft, etwas über die Unruhen auf Maraskan zu erfahren."
Fünf Dukaten später öffnet sich der Mann. So ist Phex.
Eine strenge Seeblockade. Eine Nachrichtenblockade. Im Untergrund munkelt man, dass jemand im Hintergrund die Fäden zieht. Verstärkte Patrouillen. Menschen werden verhaftet, wenn sie im Verdacht stehen, mit dem Widerstand zu kollaborieren. Aber das Verstörendste: Mehrere Rebellengruppen haben sich vereint. Das passiert nicht von selbst. Und noch mehr: Magische Umtriebe. Verstärkt. Echsen wurden wieder gesichtet. Der Mann verschwindet kurz. Er kehrt zurück und stellt Persephone eine kleine Flasche auf den Tisch. Ein Anti-Gift-Fläschchen, dass wohl gegen die meisten Gift wirken soll. Eine sehr nützliche Mitgift für Maraskan.
Ich selbst mache mich auf zum Rahja-Tempel. Es gibt nichts entspannenderes, als sich dort allen Annehmlichkeiten und vielleicht auch noch etwas mehr hinzugeben. Zudem wird Tselda hier ganz sicher nicht auftauchen. Eher würde sie sich wohl ein Bein abhacken.
Rondario und Minobe begeben sich zur Magierakademie. Das Tor ist verschlossen – aber Rondario hat bereits von Edgenion gehört, dass man sich eines Teppichflugservices bedienen kann.
In der Akademie warten schon ein Adept: "Was ist Euer Begehr?"
"Wir wünschen in die Bibliothek vorgelassen zu werden."
"Wer seid Ihr?"
Rondario stellt sich vor. Minobe folgt. Rondario zeigt sein Magiersiegel. Minobe verleugnet ihre Hexenidentität. Plötzlich – ein halbdurchsichtiger Sturmvogel landet. Die Nachricht von
Reto: "Neue Informationen vom Borontempel. Interessant. Liebe Grüße von Reto."
Der Adept ist überfordert: "Äh, äh, äh – wenn Ihr wollt, informiere ich die Spektabilität."
Rondario: "Ich würde auch gerne eurem Golem gehen."
"Kein Problem."
Rondario grüßt den Golem von Edgenion. Der ist allerdings nur ein Verwandter des Ghins, den Edgenion kennt. Reto kommt nach in die Akademie – die Tore sind für ihn offen. Sie alle betreten ein luxuriöses Schlafgemach mit Labor. Die Spektabilität begrüßt sie persönlich.
Reto berichtet von den Unruhen in Maraskan und fragt: "Weitere Neuigkeiten?"
Die Spektabilität ist deutlich: "Ihr wollt nach Maraskan reisen? Ich würde Euch dringend abraten. Wir haben zwei Magier dorthin gesandt. Beide sind nicht zurückgekommen."
Rondario geht weiter darauf ein: "Was würde eine derartige Erschütterung der Sphären dort hervorrufen?"
"Ein größeres Ritual. Oder die Beschwörung eines wirklich mächtigen Dämons."
"Was würde diesen Dämon abwenden?"
Die Spektabilität antwortet bedacht: "Wenn Euch sein wahrer Name bekannt wäre – das würde Euch große Macht verleihen."
Minobe fragt pragmatisch: "Dürfen wir Eure Bibliothek nutzen?"
"Sicher. Aber es gibt Werke, zu denen Ihr keinen Zugang erhalten werdet."
Sie verlassen die Magierakademie. Wir beschließen gemeinsam: Ein Bad, nun das spare ich mir. Der Rahja Tempel war Bad genug möchte ich meinen. Bei einem guten Essen bin ich allerdings sehr gerne dabei.
Dann eine Nacht auf dem Schiff. Ruhig, solange es noch geht.
Unruhe aller Orten

Kunchom. Die größte Stadt im tulamydischen Reich, wunderschön und über und über mit Brücken versehen. Ein Ort, an dem sich die Welt trifft – Menschen aus aller Herren Länder, Händler, Söldner, Spione. Die Tempel aller zwölf Götter sind vertreten, außer Hesinde. Schlagen, das Symbol Hesindes, bedeuten Böses und Tod. Die Stadt ist voll. Umtriebig. Laut. Hier werden wir die letzten Besorgungen machen.
Wir gehen zur Drachenei-Akademie. Genau der Ort, um mehr über das Suge von Minobe herauszufinden. Am Tor gewährt man uns Einlas, allerdings unter der Bedingung, dass wir unsere Waffen abgeben. Üblich hier, also leisten wir Folge. Die Wache allerdings hatte sich das ein wenig anders vorgestellt, wenn uns wurde eine kleine Kiste gezeigt, in welche wir die Waffen legen sollten. Nun, was sol ich sagen, wir sind nicht erst seit gestern im Geschäft, also waren es am Ende drei dieser Kisten und auch mehr Wachen, denn irgendwer musste das ja alles wegtragen.
Wir spenden überdurchschnittlich viel für die Akademie, denn wir erwarten viel Information. Als wir zu Kadhil Okarim, die Spektabilität der Akademie vorgelasen werden, begrüßen sich Minobe und er zuerst. Sie sind alte Bekannte, ein Grund, warum er uns persönlich empfängt.

Was er uns berichtet, ist nicht neu, aber dennoch durchaus bedrohlich. Bei der Sphärenerschütterung auf Maraskan ist Wasser im pervertierten Sinne zum Tragen gekommen. Dies erinnert uns sofort an Arras de Mott, als Borbarad einen ganzen Berg in Wasser verwandelte. Okarim weiß, dass hier dämonische Unterstützung notwendig ist. Er zählt auf: "Charyptoroth, Nargrach, Agrimoth kommen hierfür in Frage". Vielen von uns ist klar, dass es Charyptoroth sein wird. Es ist nicht das erste Mal. Schockiert sind wir nicht, allerdings von erleichtert könnten ebensowenig weiter entfert sein.. Persephone wirkt ein wenig blass, ob dieser Information, sie scheint dann doch noch nicht so weit herumgekommen zu sein.
Wir erzählen Okarim die ganze Geschichte. Im Norden, von der Zeitmanipulation, den Kraftlinien, von Liscom von Fasar und der Fleischwerdung Borbarads. Von Pardona und natürlich von Minobes beseeltem und rubinenem Auge. Okarim zeigt sich nicht überrascht oder beeindruckt. Das wirkt für mich ich gelinde gesagt schon fast töricht. Entweder unterschätzt er Borbarad oder aber er weiß bereits viel mehr, als er uns sagen möchte. Er versichert uns, dass er allem Um Borbarad sehr ernst nimmt teilt uns mit, dass er, Rankorium Montagunus und eine dritte Person bereits etwas in Planung haben. Damit wir aber im schlimmsten Fall nichts verraten können, gibt er aber auch keine weiteren Informationen heraus. Ich bin mir ehrlich nicht sicher, ob dies eine gute oder schlechte Nachricht ist.
Während wir in der Akademie sind, begibt sich Reto in den Efferd-Tempel. Was dort geschieht, erfahren wir erst später, als wir uns wieder treffen.
Reto hat ein Gefühl der Rastlosigkeit – als sei er für etwas zu spät. Er kann es nicht näher deuten, also begibt er sich ins Gebet. Sobald er eines der Gebetsbecken betritt, bilden sich bei der Berührung des Wassers Nebelschlieren. Ungewöhnlich und ziemlich beunruhigend. Der Nebel wird dunkelgrau, dann schwarz. Um ihn herum wird es dunkler. Der Nebel formt sich zu einer schwarzen Hand mit sechs Fingern. Reto wird sofort klar, dass das ein Zeichen von Borbarad ist. Geistesgegenwärtig taucht er unter. Vielleicht was es die Nähe zu Efferd, aber die Hand löst sich auf.
Als er wieder auftacht, ist alles wieder normal und niemand im Tempel scheint etwas bemerkt zu haben.
Als Reto uns das später erzählt, bin ich nicht nur beunruhigt – ich bin schon fast verärgert. Beunruhigt, weil sich Borbarad sogar unverblümt bis in Tempel hervorwagt, verärgert, weil er uns anscheinend verucht einzuschüchtern. Borbarad mag sehr, sehr mächtig gewesen sein, aber wir sind auch kein Haufen von Vagabunden. Allerdings zeigt dies auch, dass wir uns Heimlichtuerei wohl auch sparen können. Reto sagt, er fühlt sich stolz, dass er sich nicht so einfach von Borbarad einschüchtern lässt. Er hat sich behauptet. Das ist nur allzu wahr und sollte Borbarad ebenso ein Zeichen sein.
Nach dem Efferd-Tempel begibt sich Reto zum Hafen von Kunchom. Dort sieht er eine Frau – eine Matrosin – die ihn beobachtet. Schnell wird klar: Sie ist unsere Kontaktfrau. Yalina des Boron Kults aus Al'Anfa. Sie deutet auf die Perlbeißer. Das Schiff, das uns nach Maraskan bringen soll. Ich hoffe sehr, dass es gut gewappnet ist, für das, was uns erwarten wird.
Reto trifft auch die Tempelvorsteherin des Efferd-Tempels. Sie erzählt ihm, dass die Stürme um Maraskan stark zugenommen haben. Sicher wird Borbarad auch hier seine Finger im Spiel haben. Mehr Informationen, kann er von ihr allerdings auch nicht erhaschen.
Später treffen wir uns im Maraskan-Viertel von Kunchom. Wir essen gut, sehr zur Freude Rondarios, der sich hier einen guten Vorat an allerlei exotischen Gewüzren habhaft macht. Minobe fragt die Einwohner aus, ihr gegenüber sind sie aufgeschlossener. Sie wissen viel, aber nicht genug und schicken uns zum zum Tempel von Rur und Gror. Dort erfahren wir von den Rebellengruppen. Die Hanariad ist die größte und mächtigste. Aber alle Allianzen sind brüchig. Alles ist in stetigem Wandel. Es ist ein Pulverfass, das nur darauf wartet, gezündet zu werden. Der Überfall auf Sinoba war wohl für alle ziemlich überraschend. Das war aber nur der Anfang.
Im Tempel weiß man: 1014 BF. An der Quelle des Rohab wurden Schriftrollen von den Beni Roech gefunden. Darin wird die Rückkehr Borbarads vorhergesagt. Eine Prophezeihung, die sich unglücklicherweise ziemlich genau bewahrheitet hat. Die Tempelvorsteher hier kennen auch den Überfall auf die Enduriummine, wirklich mehr, erfahren wir hier aber auch nicht.
Nun, wir stehen vor dem Tempel. Die Sonne geht unter über Kunchom. In wenigen Tagen werden wir in Maraskan sei - hoffentlich, Herr Efferd, geleite uns sicher.
Die Ruhe nach dem Sturm
Während sich der Rest der Gruppe mit Yalina trifft und die letzte Instruktionen erhält, bin ich anderweitig, sagen wir involviert. Die Sultanei Nahema ist das erste Haus am Platz, und ist berühmt und berüchtigt für den angenehmen extra Service der geboten wird. Ich buche mir ein Einzelzimmer – zwei Dukaten die Nacht. Ein kleiner Preis für die Sorte Ruhe. Der Rest teilt sich ein Zimmer. Gom zahlt neun, Rondario einen Dukat. Nun, ich glaube, dass möchte ich nicht verstehen.
Später erfahre ich von den anderen, was Yalina ihnen mitgeteilt hat. Wir sind zu auffällig und müssen uns verkleiden. Der Plan ist,. dass wir Crew der Perlbeißer werden An Bord warten bereits dschungeltaugliche Rüstungen, Kräuter (Zwölfblatt, Stinkmirbel), Kukris für die Waffen. Brigantinas – maraskanische Lederrüstung mit Eisenplatten. Macheten. Sturmlaternen. Alles, was wir brauchen für das, was kommt wird.
Die Nacht ist unruhig, wir alle schlafen schlecht, einige wohl aber besonders. Reto schläft sehr unruhig, Gom träumt sogar überhaupt nichts, aber am nächsten Morgen hat er das Gefühl, dass er Kunchom zum letzten Mal sieht. Eine unheilvolle Vorahnung, selbst für Gom, der eigentlich ständig das Dunkle in Allem zuerst sieht. Persephone träumt, dass wir am Morgen zum Hafen laufen – und sie hat das Gefühl, in eine Falle zu laufen. Ich sage nichts zu all dem, ein ungutes Gefühl bleibt dennoch erhalten.
Kurz vor Sonnenaufgang machen wir uns zum Hafen auf. Die Perlbeißer. Ein solides Schiff mit 30 Mann Besatzung. Kapitän Aimuth Ibn Mukhadin reicht Reto ein Schreiben. Er schätzt, dass wir Tuzak in zwei bis drei Tagen erreichen. Der Kapitän ist direkt und gibt noch vor dem Auslaufen Anweisungen: "Ihr müsst euch in die Mannschaft integrieren. Nur so werdet ihr glaubwürdig die Blockade durchkommen." Das ist kein Abenteuer für Dilettanten, da hat er wohl Recht. Reto hält einen Gottesdienst. Ein Efferd-Geweihter auf einem Schiff – das hebt die Moral der gesamten Crew, einschließlich des Kapitäns.
Später auf der Reise verteilt uns der Kapität auf verschiedene Aufgaben. Tselda muss unverhohlen zugeben, dass sie auf einem Schiff fehl am Platz ist und wird ins Krähennest geschickt. Das ist ein anderer Ausdruck dafür, dass sie sich einfach aus dem Weg machen soll. Persephone wird Retos Dienerin, da sie offenbar auch nicht wirklich Talent in diesem Bereich hat. Rondario wird zweiter Koch, was auf Missgunst des eigentlichen Kochs trifft. Der Rest von uns hat Erfahrung auf dem Wasser, die Reisen mit Phileasson haben uns einiges gelehrt. Am späten Nachmittag: Ein Ruf aus dem Krähennest, ich kann gar nicht sagen, ob es Tselda war oder jemand anderes. Eine Bireme segelt auf uns zu. Diese Schiffe sind bedeutend größer und besser bewaffnet, ein Kampf wäre vermutlich aussichtslos. Wir entscheiden uns lieber zu versuchen zu entkommen und geben uns, als hätten wir sie nicht gesehen. es funktioniert, wir sind schneller.
Reto und Gom halten die erste Wache in der Nacht. Sie sehen Blitze am Horizont und innerhalb von Minuten ist ein schwerer Kauka entstanden. Ein Tropensturm, ein Orkan der die Perlbeißer wie ein Spielzeug hin und her wirft. Der Wind peitscht, die Wellen gnadenlos. Das Schiff muss sturmsicher gemacht werden. Sofort.

Rondario beginnt ein Ritual. Ein paar helfende Hände wären mir lieber gewesen, wobei sich herausgestellt hat, dass er geschafft hat, den peitschenden Wind zu reduzieren. Offenbar kann er nicht nur mit Wind zerstören, sehr beeindruckend und hilfreich jetzt. Zusätzlich hält Reto eine Stumrede. Eine Rede, die die gesamte Mannschaft einschwört. Das ist fast noch beeindruckender muss ich sagen. Als würde Efferd selbst uns allen Mut zusprechen.
"Mannschaft! Seht mich an!
(Warten bis alle ruhig sind)
Die Wellen peitschen, der Wind heult wie ein hungriger Shruuf, und die Planken unter euren Füßen ächzen. Ich sehe Angst in euren Augen, und ich sehe den Zweifel. Ihr fragt euch, ob das Meer uns heute verschlingen will. Ihr fragt euch, ob dies unsere letzte Reise ist.
(Lauter werden)
Ich sage euch: Efferd verschlingt nicht. Efferd prüft.
Er ist der Herr der Winde, der Gebieter über die Tiefe, er ist launisch, ja! Er ist tief, er ist unberechenbar. Aber er ist auch der Schöpfer des Lebens, der uns trägt!
Er stellt uns keine Prüfung, die wir nicht bestehen können. Dieses Schiff ist kein Sarg – es ist ein Gefäß seines Willens.
Jeder Schweißtropfen, der vom Segeltragen auf das Deck fällt, ist ein Opfer an ihn. Jeder Handgriff, den ihr trotz zitternder Hände macht, ist ein Gebet!
(Sich zu den Gefahren/Prüfungen wenden)
Die Gefahren, die vor uns liegen – ob es der Schlund des Mahlstroms ist oder die Tentakel des Kraken – sind nichts anderes als Efferds Weg, zu sehen, ob wir würdig sind, seine Weite zu befahren.
Seid stolz! Wir sind keine Landratten, die sich hinter Mauern verstecken. Wir sind die Kinder des Sturms!
Erinnert euch:
Wer keine Stille kennt, schätzt den Hafen nicht.
Wer keine Gefahr kennt, kennt seine eigene Stärke nicht!
(Abschluss mit Segen)
Werft die Angst über Bord! Der Wind, der uns entgegenschlägt, ist derselbe Wind, der uns nach Hause bringt, wenn wir mutig bleiben.
Efferd mit uns!
(Den Dreizack/Kelch hochheben)
Mögen seine Strömungen euch führen, seine Winde euch treiben und seine Tiefe euch schützen!
Für die Mannschaft! Für das Schiff! Für Efferd!"
Plötzlich kracht es unter Deck. Ich gehe nach unten und stelle fest, dass die Ladung sich gelöst hat. Unmittelbar schlimmer noch, sehe ich die Sturmlaterne, welche das Unterdeck hätte in Brand gesetzt, wenn ich sie nicht gesehen und gelöscht hätte. Unerwartet sehe ich Tselda heir unten, wie sie von der herumpolternden Ladung hin und hergerissen wird. Vollständig verängstigt und beinahe paralysiert. Ich greife ihre Hand und gebe ihr zu verstehen, dass ich für sie da bin. Sicher fixiere ich sie erst einmal an der Ladung und versichere ihr, dass ich sie nicht vergessen werde.
Der Mast bekommt einen Riss. Dann bricht er. Die Taue werden gekappt – der Mast geht über Bord. Das Schiff ist verloren, wenn wir ihn nicht opfern.
Im Auge des Sturms versuchen wir, das Schlimmste zu versorgen. Ich versuche, die Ladung besser zu sichern und Tselda, die sich noch immer zitternd und verstört an der Ladung festkrallt. Ich versichere ihr, dass ich nicht zulasse werde, dass ihr etwas passiert. Sie ist meine Schwester, das ist alles was zählt. Sie nickt, aber ob sie das wirklich verstanden hat, bin ich mir nicht sicher. Dann geht der Sturm wieder los.
Als alles vorbei ist – mehrere Crewmitglieder sind über Bord gegangen. Nahezu alle Überlebenden sind verletzt. Das Schiff ist nur noch ein Schatten seiner selbst und fast vollständig zerstört. Aus den Resten bauen wir eine Art Floß. Wir schaffen es irgendwie, an Land zu gelangen, dann brechen wir zusammen.
Wir wachen auf. Wann? Keine Ahnung. Wo? Wir wissen es nicht.
Ameisen. Überall Ameisen. Sie laufen über uns, als wären wir Teil des Strandes. Alles liegt verstreut herum. Großes Chaos. Das Schiff ist zerstört. Die Mannschaft ist dezimiert. Aber wir sind am Leben.
Und das Seltsamste: Wir sind an einem Südseestrand gelandet. Traumhaft. Wunderschön. Die Sonne scheint. Das Wasser ist glasklar. Palmen wiegen sich im Wind. Die Ruhe nach dem Sturm, Surreal.

Im Dschungel gelten andere Gesetze
Wir wissen nicht genau, wo wir sind. 100 Meilen nördlich von Tuzak, vermutlich. Das Schiff ist nicht komplett zerstört – aber 21 Mann sind tot. Dem Rest geht es nur wenig besser, zu Teil schwer verletzt, aber wenigstens am Leben. Die, die können, ziehen die Verletzten zum Waldrand, in den Schatten und versorgen notdürftig die Wunden. Es ist wenig – aber besser als nichts.
Minobe macht sich auf die Suche nach Trinkwasser, sie kennt sich hier wohl noch am besten von uns aus. Nach anderthalb Stunden findet sie eine Quelle und wir organisieren ein paar Leute, die kräftig genug sind, mit mir Wasser zu holen. Das Schiff wieder flott zu machen würde mindestens zwei Wochen dauern, sagt der Kapitän. Er weiß, dass wir hier nicht bleiben können, aber sagt auch, dass er uns sein Leute sicher nicht mitkommen wollen. Er wird hier bleiben und das Schiff wieder seetauglich machen.

Die Nacht naht. Wir sind alle erschöpft – aber wir stellen Wachen. Ich übernehme die erste mit Yalina. Unter anderen Umständen wär es ein perfekter Ort für ein Stelldichein, ader ich muss gegen die Müdigkeit ankämpfen. Zum Glück, bleibt meine Schicht ereignislos.
Dann kommen Reto und Gom aus der zweiten Wache mit einer Geschichte: Ein großes Lebewesen ist aus dem Wald gekommen. Gorilla-artig, aber mit einem scharfen Schnabel im Gesicht. Vier Beine und keine Flügel. Das Wesen stand da, richtete sich auf – etwa 2,5 Schritt hoch – und zog sich dann wieder zurück.
Maraskan. Dies wird nicht die letzte Seltsamkeit gewesen sein, die wir sehen werden.
Die letzte Wache übernehmen Rondario und Minobe. Kurz nach Sonnenaufgang werden wir geweckt. Es fühlt sich an, als hätte ich die ganze Nacht durchgefeiert. Minobe ruft: "Sieben Personen kommen aus dem Wald auf unser Lager zu. Alle aufwachen, sofort!"

Minobe begrüßt sie auf maraskanisch: "Bruderschwester, preise die Schönheit." Es gibt keine Höflichkeiten, sie wollen den Kapitän sehen. Keine Waffen sind gezogen – aber alle sind kampfbereit. Was ist das und wo sind wir hier? Minobe beginnt zu plaudern, aber sie wird sofort unsanft unterbrochen: "Halt die Klappe! Du bist nicht der Kapitän, dann redest du auch nicht."
Der Kapitän und die Anführerin der Rebellen unterhalten sich angespannt. Sie haben

verstanden, dass er nur transportiert hat. Jetzt wollen sie unseren Anführer sprechen. Gerade mache ich mich bereit, da prescht Reto vor. Nun, vordrängeln muss ich mich nicht. Die Anführerin, Enjisab wendet sich an uns: "Ihr wollt weiterreisen und ins Landesinnere. Ihr kommt mit uns. Ohne Geleit könnt Ihr nicht allein durch unser Gebiet reisen. Wir nehmen Eure Waffen in Verwahrung. Packt zusammen."
Ach ja? Dahergelaufene Leute? Es hat schon schlechter für uns gestanden, aber trotzdem sind wir siegreich gewesen. Aber, es sind bestimmt noch Leute im Wald und wir waren alle sicher auch schon mal fitter. Es ist klüger, nicht zu kämpfen. Reto ist entrüstet – man verlangt seinen Efferdbart. Aber die Anführerin fragt nur: "Du gibst mir Dein Wort, dass Du friedlich bleibst?"
Reto antwortet: "Ich habe wichtigeres zu tun, als Euch anzugreifen."
Sie gibt ihm den Dreizack zurück. Wenigstens haben sie Respekt vor den Göttern.
Wir brechen auf und verschwinden im Wald. Schlagartig wird es dunkel. Die Baumwipfel reichen 60 bis 100 Schritt in den Himmel – eine grüne Kathedrale, die das Licht erstickt. Der Boden ist feucht. Die Luft ist dick und heiß wie Suppe. der Dschungel atmet um uns herum. Es herrscht fast ein ohrenbetäubender Krach.

Nach zwei Stunden treffen wir auf Ruinen. Alte Steine, von Ranken überwuchert. Die Geschichte dieses Landes liegt begraben unter der grünen Wildnis - Echsen. Reto fragt nach dem Vogelaffen. Das Wesen, das wir am Strand sahen. "Das sind Kalecken" antwortet man uns kurz und knapp. "Eine heimische Tierart." Nach drei Stunden Gehzeit bedeutet man uns, stehenzubleiben.
Die Anführerin pfeift durch die Finger. Und von oben herab fallen Strickleitern aus den Bäumen. Wir klettern hinauf. Und das, was wir sehen, nimmt uns den Atem.

Eine Baumhüttensiedlung. Die einzelnen Hütten sind durch Hängebrücken miteinander verbunden. Hunderte von Menschen leben hier – in den Bäumen, über dem Dschungel, frei von der Welt unten. Die Bewohner beobachten uns neugierig, als wir zur zentralen Hütte gebracht werden.

Dort treffen wir Orsijin vom Hira – den Vorsteher dieser Siedlung. Er ist kein Maraskaner, er kommt aus dem Mittelreich. Durchaus überraschend. Er begrüßt uns, und wir stellen uns vor. Dann sagt er etwas, das mir nicht gefällt:
"Wir haben hier jeglichem Herrschaftsanspruch einer jeden Person entsagt. Wir sind hier frei und niemandem Rechenschaft schuldig. Warum seid Ihr hier?"
Ich antworte: "Wir sind 100 Meilen von dem Ort entfernt, zu dem wir gelangen wollten. Es geht Euch also nichts an, was unsere Beweggründe sind."
Orsijin lächelt – es ist kein freundliches Lächeln. "Gebt mir einen guten Grund, warum ich Eure Waffen nicht behalten und verkaufen sollte? Ich würde dafür gutes Geld bekommen. Würde ich Euch hier freilassen, würdet Ihr im Dschungel keinen Tag überleben. Also noch einmal: Was wollt Ihr hier?"
Ein dahergelaufener Desateur, ein Exil-Mittelreicher, hat die Vermessenheit, mir zu drohen? Was glaubt er eigentlich, wen er hier vor sich hat? Jeder einzelne von uns hat vermutlich allein in den letzten zwei Jahren mehr erlebt, als er. Da ich aber nicht unser "Anführer" bin, spreche ich es nicht aus.
Um die Hütte herum sammelt sich eine Menschentraube. Wir beraten uns kurz. Dann berichten wir: Von dämonischen Sichtungen, von dem, woran wir arbeiten, dem Überfall auf die Enduriummine und den Schwarzmagischen Ereignissen.
Orsijin nickt. "Uns erreichen Gerüchte von Geistererscheinungen und vom Auftreten von Echsen. Was wisst Ihr über die Seeblockade?"
Rondario: "Wir haben nur davon gehört. Der Sturm hat uns hindurchgetragen."
Orsijin: "Wir befürchten, dass Euer Tun die Situation hier verschärfen wird."
Reto: "Die Seeblockade ist nicht unser Problem. Wir möchten in das Zentrum der seltsamen Ereignisse."
Orsijin antwortet leise: "Das wäre dann ja hier."
Wir alle gucken uns an und zucken mit Blicken mit den Schultern. Ich hoffe, jetzt sehen sie alle, dass Orsijin ein wenig den Blick auf die Realität verloren hat.
Er pausiert. Dann sagt er: "Ihr solltet zunächst nach Alrurdan reisen. Dort werdet Ihr mehr erfahren über die Dinge, die Euch interessieren. Ich kann Euch Enjisab mitgeben – sie wird Euch an den Rand unseres Gebietes begleiten."
Das hätten wir auch schon vor Stunden haben können, denke ich mir.
"Dann bleibt für diese Nacht," sagt er. "Ihr erhaltet Eure Waffen zurück." Wir bekommen unsere Waffen zurück. Ein gutes Zeichen.
Wir begeben uns zur Ruhe. Der Dschungel singt um uns herum – tausend Stimmen in der Dunkelheit.
Gom hat einen Traum...
Ehrloser Dschungel
Gom erzählt uns von seinem Traum, während wir uns auf den Weg vorbereiten. Eine Arena, achteckig, erfüllt von einer Vielzahl von Echsen, johlende Zuschauer. Er selbst – vermutlich auch in Echsengestalt – befand sich an diesem beängstigenden Ort. Und dann donnerndes Gestapfe einer massiven Kreatur. Dha'churrisch, zischeln die Echsen. Ein Zweikampf auf Leben und Tod. Eine Vision? Eine Prophezeiung? Beides ist gleichermaßen beunruhigend.
Enjisab begleitet uns bis zum Rand des Gebiets der Wipfeltiger. Orsijin hat sie entsandt, uns zu begleiten, Am Ende scheint der immerhin redliche Ziele zu verfolgen und ist des Reiches überdrüssig. Ein einfacher Weg, um zu entkommen, aber die Verantwortung, die er jetzt hat wiegt wohl nicht minder schwer. Ejisab weiß nicht allzu viel über die Geschichte der Echsen – lediglich von Perldrachen spricht sie, von Flugechsen, die eher an der Ostküste von Maraskan heimisch sind. Von den Geistererscheinungen, die Orsijin mit solcher Ernsthaftigkeit erwähnte, weiß sie noch weniger zu berichten. Aber sie warnt uns eindringlich: "Diskus von Boran und die Uliakim. Das sind Fanatiker von der übelsten Sorte. Haltet euch ihnen fern." Sie überreicht jedem von uns eine **Armbinde** – Gelb und Violett gewebt. Die Erkennungsfarben der Wipfeltiger. Ein kleines, aber willkommenes Zeichen der Sicherheit in diesem grünen Einerlei. Dann sagt sie etwas, das mir merkwürdig vorkommt: "Sieben Leute sind eine schlechte Zahl. Ihr solltet entweder noch einen Begleiter finden oder einen loswerden." Yin und Yang, Bruder Schwester, auf Maraskan zählt die Ausgeglichenheit. Ungerade Zahlen bringen Pech. Ich grinse, jedes Land hat seinen Aberglauben. Sie zeigt uns den Weg mit großer Sorgfalt: Sumpf Rahar. Grüne Wurzel von Sanzerak. Die Böden von Zul'Mir. Dann nach Süden.

Das erste, das sich uns zeigt, ist ein langer Knüppeldamm, der sich durch die Sümpfe zieht. Moosbedeckt. Rutschig wie nasses Eis. Nicht einladend, um es gelinde auszudrücken.
Minobe vollzieht einen Exposami – einen magischen Blick, der die Landschaft enthüllt. Sie sieht große Alligatoren, deren Rücken wie Berge aus dem Wasser ragen. Schlangen, die sich in den Ranken verbergen. Und etwas Pony-Großes, das niemand von uns identifizieren kann – eine Gestalt, die Fragen aufwirft.
Ich schwitze. Wie alle anderen auch.
Nach etwa einer halben Stunde auf diesem elenden Damm – da fliegt eine große Echse mit bestimmt vier Schritt Spannweite über uns hinweg. Sie beachtet uns nicht, als wäre sie sich unserer Unbedeutsamkeit bewusst. Ein kleiner Segen in dieser feuchten Hölle. Nach anderthalb Stunden des mühsamen Gehens erreichen wir wieder festeren Grund. Der Sumpf liegt endlich hinter uns. Reto scheint sich sonderbar zu freuen, dass alles so verdammt nass und durchnässt ist. "Efferd gefällt das," sagt er mit einer Art religiöser Zufriedenheit. Ich rolle nur mit den Augen.

Es beginnt zu regnen. Der Himmel weint über diesem verfluchten Land Maraskan, und die Wolken hängen tief und düster über uns. Es macht keinen Unterschied, ob wir von innen oder außen nass werden. Dann sehen wir es in der Ferne: Eine Plantage. Dahinter steht ein **hölzernes Fort**, dessen Mauern und Balken von Jahren der Vernachlässigung sprechen. Menschen arbeiten dort – Sklaven, vermutlich, oder Gefangene. Aufseher gehen zwischen ihnen umher, aber es gibt weniger, als es bräuchte. Es sieht mittelreichisch aus, aber der Zustand ist bedauerlich. Die Verantwortlichen haben offenbar jegliches Pflichtbewusstsein verloren.
Wir laufen darauf zu, ohne zu wissen, was uns erwartet. Eine Wache auf einem hohen Hochsitz bemerkt uns und hält uns an. Sie versucht, hastig hinunterzuklettern. Die Leiter bricht unter seinem Gewicht. Der alte Mann fällt und stirbt – würdelos und schmachvoll - jämmerlich. Ich rolle mit den Augen und schüttele den Kopf. Das ist die Quintessenz dieser ganzen verfallenen Siedlung. Reto spricht einen Grabsegen. Es ist eine Geste der Barmherzigkeit, mehr Ehre als dieser Ort jemals seit langem gesehen hat.

Während die Arbeiter und Aufseher zum Abendessen gerufen werden, schleichen wir uns in ein Gerätehaus ein. Überall hängen Pflanzen zum Trocknen – Rauschkräuter, Drogen aller Art. Das ganze Fort offenbart sich als eine Drogenplantage. Minobe schnappte sich ein paar dieser Pflanzen für später. Wir verbringen die Nacht dort, halbwegs trocken, aber von einem Gefühl der Beklemmung erfüllt. Früh am nächsten Morgen brechen wir auf, bevor die Arbeiter und Wachen herauskommen. Wenigstens hat der Regen aufgehört. Dennoch trocken ist niemand von uns.
Ein paar hundert Schritte weiter – an einer Weggabelung, die hinauf zum Fort führt – sehen wir jemanden in wilder Flucht herunterrennen. Ein Mann. Er flieht, als würde er um sein Leben laufen. Wir halten ihn an und er plappert direkt los. Gerich Axenbrecher, ein Desateur, allerdings verdenken kann ich es ihm nicht. Er erzählt aufgeregt und atemlos: "Da oben ist alles dem Wahnsinn verfallen. Das Fort ist völlig heruntergekommen, in sich zusammengefallen unter der Last seiner eigenen Verderbnis. Hauptmann Erlnholm herrscht dort mit eiserner Hand. Quendan ist der Medicus. Aber alle – Arbeiter, Wachen, sogar die Mittelreicher – sind Sklaven ihrer Drogensucht geworden. Niemand ist frei in diesem Ort."
Er scheint... ganz okay zu sein, aber ob er dieser rauen Umgebung Stand hält, ist zu bezweifeln. Minobe nimmt ihn mit, und das Problem mit der "schlechten Zahl 7" löst sich auf natürliche Weise. Wir sind jetzt acht. Wieder grinse ich. Reto und Tselda sind dagegen – sie misstrauen seiner Herkunft, seiner Geschichte. Für mich ist er erst einmal ein Flüchtender. Er sucht nach Ordnung und Führung, die ich ihm sicher angedeihen kann. Es wird sich zeigen, ob er den Gehorsam noch beherrscht.
Der Tag verläuft ohne große Ereignisse. Wir erreichen ein kleines Dorf: Kabano.

Ein einfaches Fischdorf, bescheiden, aber gepflegt. Der Schmied Frantanjin ist der Dorfvorsteher. Neben ihm sitzt eine ältere Frau mit Augenbinde. Sie sagt nichts. Ihre Augen sind verbunden. Ob sie eine Rolle zu spielen hat, wissen wir nicht. Wir werden sehen.
Gesucht und nicht gefunden
Frantanjin bietet uns an, bei ihm zu übernachten. Ein willkommenes Angebot nach den Strapazen des Dschungels. Aber zuvor beschließen wir, ins Badehaus zu gehen – ein wahrer Traum inmitten dieser grünen Wildnis. Ich bin erleichtert, mich endlich von der Schicht aus Schweiß, Schlamm und Dschungel zu befreien. Und wenn ich ehrlich bin, lenken mich die gut aussehenden Badefrauen nicht unwesentlich ab. Es ist eine willkommene Erholung für Körper und Geist.
Später kommen wir mit einem älteren Herrn ins Gespräch. Er ergießt sich in philosophischen Worten über die Natur, das Leben, die Balance. Ich höre mit, aber meine Gedanken sind anderswo – bei dem Fort, das wir gesehen haben, bei den Gefahren, die noch vor uns liegen. Seine Worte verhallen ungehört. Am Abend hält Reto für die Bewohner des Dorfes eine kleine Zeremonie ab und erwirkt für die Fischer den Segen des "guten Fanges". Die Menschen sind dankbar – offensichtlich kommen selten Fremde vorbei. Wir erhalten Getränke und Mahlzeiten, und das Dorf macht sich große Mühe um uns. Der Schmied deutet an, dass nicht alle Einwohner Fremden gegenüber freundlich gesinnt sind. Ein mahnendes Wort, das ich beherzige.
Die Nacht ist ereignislos, aber der Dschungel lässt uns keine Ruhe. Tausend Stimmen durchdringen die Dunkelheit – das Zirpen von Insekten, das Heulen von Tieren in der Ferne, das Rascheln von Dingen, die wir nicht sehen können. Der Wald atmet, lebt, wartet. Jedes Geräusch könnte eine Bedrohung sein, oder nur das natürliche Leben dieser wilden Landschaft. Aber die Grenze zwischen beidem ist in Maraskan dünn wie Papier.
Am nächsten Morgen wachen wir auf. Nachdem wir zusammengepackt haben, verabschieden und vor Allem bedanken wir uns noch bei Frantanjin - die Frau mit den verbundenen Augen ist wieder anwesend.
Ich frage sie beiläufig, wer sie denn eigentlich sei.
Sie antwortet: "Ich bin die Tochter des Schmieds."
Ich runzele die Stirn. Sie ist etwa sechzig Jahre alt. Der Schmied ist vielleicht vierzig. Das passt nicht zusammen. Aber der Schmied erklärt ruhig: "Ich habe sie adoptiert."
Ich schüttle den Kopf und antworte nichts. Das ist Maraskan. Nichts hier folgt den Gesetzen, die ich kenne. Nichts hier ist, wie es sein sollte. Ich akzeptiere es einfach und stelle keine weiteren Fragen.

Wir brechen auf. Nach etwa einer Stunde erreichen wir eine Straße, die uns nach Süden führt. Nach vier weiteren Stunden kommen wir zu einem Hügelpass. Und dann sehen wir es:
Ein Talkessel mit terrassenartigen Reisfeldern. Eine kleine Stadt unten im Tal. Und weiter hinten – ein Fort.
Die Straße zur Stadt ist voller Menschen – Maraskaner, die ihren Geschäften nachgehen. Am Tor sieht es eher lockerer aus, wenig Kontrollen, aber dennoch sollten wir vielleicht vorsichtig sein. Minobe schlägt vor, uns aufzuteilen. Der Plan ist klug: drei Gruppen, alle gehen verschiedene Wege und versuchen geringeres Aufsehen zu erregen. Reto hatte zuvor gewarnt, ins Fort zu gehen – was eigentlich mein Plan gewesen wäre. Aber er hat recht. Ich bin ein Graf und hochdekorierter Ritter aus dem Mittelreich und der Name von Falkenstein könnte sogar hier bekannt sein. Also halte ich mich lieber bedeckt. Gerich kommt mit mir. Am Tor werden wir gefragt, wer wir sind und woher wir kommen. Ich antworte vage, lasse aber durchblicken, dass ich ranghöher bin als diese Wache und der Vorgesetzte von Gerich. Dem ist nahezu alles egal und macht einfach mit. Der Plan funktioniert und wir werden eingelassen. Die Wache wirft uns noch hinterher: "Kein Feuertopf essen." Tatsächlich ist mir dieser kulinarische Klassiker schon bekannt, aber er hat Recht. Für einen mittelreicher Gaumen zu viel in jeder Hinsicht.

Gerich und ich finden eine Gaststube und bestellen etwas zu Essen und tragen dem Rat der Wache natürlich Rechnung - kein Feuertopf. Wir sind relativ unauffällig – eine gute Platzierung. Aber während wir dort sitzen, geschieht etwas, das ich erst später erfahre. Die anderen Gruppen sind in die Stadt gekommen – und Persephone findet etwas Beunruhigendes. Sie entdeckt einen Steckbrief an einer öffentlichen Anschlagetafel:
Gesucht: Auftrag von Fürst Herdin. Handgeld 100 Dukaten. Fremde handeln auf eigene Faust...
Der Rest ist verdeckt, aber genug ist sichtbar, so dass er Aufmerksamkeit erregt. Der Brief hing offensichtlich schon länger, weil er von anderen bereits überhangen wurde.
Rondario startet ein Ablenkungsmanöver mit einem Motoricus-Zauber. er paar Fässer, des nahegelegenen Reiswein Händlers poltern hinunter und eines geht sogar kaputt. Es herrscht einigermaßen Aufregung, vor Allem, weil sich die benachbarten Händler gegenseitig beschuldigen. Persephone nutzt das und lässt den Zettel in ihrer Tasche verschwinden. Niemandem fällt etwas auf. Später faltet sie den Steckbrief in einer ruhigen Gasse auseinander. Wir sind es. Alle Namen. Alle Gesichter in ausgesprochen guter Qualität gezeichnet. Hinweise zum Aufenthaltsort sollen an Soldaten abgegeben werden. Das ist schlecht. Das ist sehr schlecht. Persephone beschließt, sich sofort zu verkleiden und greift zu ihrer blonden Perrücke, die sie schon zuvor einige Mal verwendet hatte. Sie verkleidet sich weiter und einem Umhang. Auffällige Rüstungsteile verschwinden in ihrem Reisesack und begibt sich dann zum Tempel, dem zuvor ausgemachten Treffpunkt. Reto verhüllt seinen Dreizack. Rondario sucht einen Barbier auf, um sein Aussehen zu verändern. Ohne Bart steht ihm, wie ich später bemerken werde. Minobe und Gom treffen am Tempel ein und sehen eine blonde Frau wartend davor. Persephone versteht ihr Handwerk und so kann Minobe sie erst beim zweiten Blick erkennen. Minobe versteht sofort und zaubert "Harmlose Gestalt" und spricht Persephone an. Auch dies funktioniert sehr gut und so entsteht für einen kurzen Moment eine Verwirrung zwischen den beiden, warum sie denn miteinander Reden. Die Situation wird dann aber geklärt und de beiden Gruppen sind wieder zusammen.
Persephone findet eine ruhige Gasse für eine Beratung. Minobe und Persephone knobeln aus, wer von beiden Gerich und mich holen will, denn eines ist klar? Ich werde Minobe und Persephone aus der Ferne vermutlich nicht erkennen.









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