Gomora's Tagebuch - Eine Nacht in Tantenhausen
- Manuel Vogelsänger

- 15. Dez. 2024
- 5 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 19. Dez. 2024

Ich muss zugeben, dass ich die vielen Katzen nen Bisschen vermisse. Der Katzenkönig war schon echt abgefahren. Diesen Praios-Kerl allerdings weniger. Und dann noch Al’arabiata, ach ne, Al’jazira, auch nicht… Al’Spani… Al’italia, jetzt hab ichs… Wie kann man ein junges Mädchen auf den Scheiterhaufen bringen wollen, egal, ob sie ne Hexe ist oder nicht. Naja, ist ja alles gut gegangen und wir haben sie wieder nach Hause gebracht. Zina ist nicht mitgekommen. Sie sagte, sie will nach Bethana, irgendwas machen. Dafür sind uns die Große und die Kleine - die ist sogar kleiner als ich – entgegengekommen. Die haben ein paar super wertvolle oder gefährliche, oder beides. Buch in Kuslik im Hesindetempel abgegeben. Da darf ich ja nicht mehr rein, pft… diese Spießer. Egal, die Landschaft ist ziemlich schön hier finde wir alle und gehen mal drauf los. Ich werde von der großen getragen.

Wir haben vor einer Weile jemanden getroffen, der uns den weg zum nächsten Ort beschrieben hat, aber irgendwie hat keiner von uns so richtig verstanden, was der gesagt hat. Ich hab ja gesagt, wir müssen, da hinten rechts und zweimal links, aber Tselda wusste es mal wieder besser. Quatscht irgendwas in die Luft und gibt mir die Schuld. Außerdem… ist doch schön hier. Naja, vielleicht bis auf die Wolken da hinten und die Tatsache, dass hier echt nix ist. Also so richtig nix, nicht mal nen Weg oder so. Nänni grummelt auch nur so rum. Das macht sie eigentlich sowieso immer, aber jetzt klingts irgendwie grummeliger. Und jetzt regnets, na klasse, aber mein Hut ist nen klasse Regenschirm – findet die Große auch.
Plötzlich riechts total ekelhaft, trotz Regen und Wind. Weiter vorne finden wir dann einen ziemlich angeknabberten Toten. Kein schöner Anblick, darum suche ich auch das Weite… Die anderen fassen den sogar an und dann begraben sie ihn auch noch. Also mal ehrlich, so wie der aussah, ist da doch eh nur noch die Hälfte dran gewesen. Endlich gehen wir weiter und laufen noch ein wenig, bis wir komplett durchnässt an einer Herberge ankommen. Drinnen krachts und Lachen hören wir auch. Die sind bestimmt lustig da drin. Tselda klopft, aber es dauert echt lange, bis jemand aufmacht.
Ich gehe sofort zum Feuer und trockne meine Sachen. Da sitzen auch noch andere. Irgendwer in ner Kusliker Uniform, noch jemand mit Bademantel, na andere Frau und dann läuft hinter dem Tresen so ein Gehilfe rum. Hab mir die Namen nicht gemerkt. Tselda und so fangen an mit denen zu quatschen. Ganz schön langweilig. Die kennen sich eigentlich nicht, haben sich aber getroffen und helfen jetzt der Uniformierten. Die sucht nen Gefangenen, der ausgebüxst ist. Bushido oder so ähnlich.
Wir kriegen nen Eintopf. Der sieht ganz gut aus, aber für Nänni, die alte Hündin, riecht das Essen komisch. Der Großen, der Kleinen und mir schmeckts. Nänni und Tselda essen nicht. Aus Spaß veranstalte ich nen Rennen mit dem Eintopf von Nänni und Tselda. Plötzlich tickt die andere Frau total aus. Schreit rum und so. Ich setze noch einen drauf und lasse den Löffel schweben. Nänni, die alte Spielverderberin hat sie dann an den Nachbartisch gebracht. Aber vorher hat sie noch auf die richtige Schüssel gesetzt und hat fünf Kreuzer verloren.
Nach dem Essen haben die einfach weitergeredet. Ich wollte mich dann mal ein wenig umsehen. Tselda irgendwie auch, aber die ist da so komisch rumgeschlichen. Die hat glaube wieder irgendwas in die Luft geredet und plötzlich war nix mehr von ihr zu hören. Kein Wunder, dass sie dann in mich reingekracht ist. Ich hab ja nix gehört, also wusste ich ja nicht, dass sie da rumläuft. Dann war sie schon wieder sauer auf mich. Sie will, dass ich den Wirt und diesen Gehilfen aus der Küche raushole, damit sie sich da mal umsehen kann. Dafür bin ich dann wieder gut genug…
Was soll ich da noch sagen. Erst hält mir Tselda nen Vortrag darüber, dass ich immer so sprunghaft bin und eigentlich auch nie zuverlässig. Dann entscheidet sie einfach von jetzt auf gleich, dass sie mich doch nicht mehr als Ablenkung braucht, weil sie nun doch nicht mehr in die Küche will. Ja, was denn nun. Aber ich bin Spunghaft, ja ja am Alle(r)… Vogel sind schon da, meine Liebe! Ich finde das insgeheim allerdings besser, weil mit diesem schwitzenden Odin, der sich noch dazu die ganze Zeit an seine Laterne fasst, will ich nix zu tun haben.
Offenbar gehen wir dann jetzt alle schlafen und es kam, wie es kommen musste. Ich darf jetzt bei dem Schwitze-Dummbatz schlafen - mit Tselda, die mir vermutlich noch’n paar Vorträge hält. Als wüsste sie immer alles besser. Ecken zum Beispiel. Also, wie ich mir Ecken vorstelle, ist doch wohl meine Sache. Außerdem gibt’s die in allen Farben und Formen. Runde Ecken, spitze Ecken, blaue, weiche, scharfe, dicke, dünne, leichte, böse, kleine, große, mit R, mit B, mit L und sogar mit Fl. Was sagt sie? Eine sei wie die andere. Ecken halt. Echt jetzt? Und der doofe Odin stimmt ihr auch noch zu. Ich hab jedenfalls mein Spielzeug in diese so genannte Ecke gestellt. Woll’n mal sehen, wer dann am Ende lacht.
Nänni, die Große und die Kleine schlafen im Raum gegenüber. Ich leg mich jetzt hin und bleibe wach, bis ic...
Wow, was? Aufgewacht bin ich wieder bei Nänni und den anderen beiden. Ich wusste gar nicht, dass ich schlafwandele. Ich bin jedenfalls wieder rüber ins andere Zimmer und bin doch tatsächlich Nänni und Tselda über den Weg gelaufen. Ganz komische Sache, irgendwie. Als ich mich dann also wieder hinlegen wollte, höre ich Krach auf dem Flur. Schon wieder Nänni und Tselda, diesmal mit allen anderen. Ich bin mir noch nicht sicher, ob ich das alle geträumt habe oder nicht. Ich wache nochmal auf, glaube ich, als mich die Große über die Schulter wirft und mich unten auf einen Stuhl setzt. Ne gute Gelegenheit mal zu gucken, was mein Spielzeig so alles herausgefunden hat.
Odin geht nach unten räumt so vor sich hin, Nänni geht nach unten und holt sich nun doch was von der Suppe. Ahh, gleich zwei Schüsseln. Aber erst mal nix essen wollen. Jetzt sehe ich die anderen, also den im Bademantel und die aus Kuslik, wie sie in der Küche verwinden. Die arbeiten hier? Ich kann mich kauf konzentrieren, denn die anderen reden jetzt darüber, dass Tselda wohl bei den Pferden im Stall einen Toten gefunden hat. Dem wurde die Kehle aufgeschnitten und überall war Blut. Das ist wohl erst vor Kurzem passiert. Nänni und Tselda haben dann die anderen Zimmer durchsucht und herausgefunden, dass alle leer sind. Also hier sind gar keine Gäste. In einem Zimmer war die Boden noch etwas feucht und da war wohl mal ein Teppich drin, der rausgerissen wurde. Nänni hat glaube noch irgendwas von zwei Suppenschüsseln auf dem Boden gesagt, aber ich bin mir nicht sicher, wie das jetzt zu dem Teppich passt. Ach so, vielleicht war ja der Boden feucht, weil da Suppe verschüttet wurde. Hat sich Nänni vielleicht im Zimmer geirrt und da die Suppe dann als Hund geschlabbert? Und wieso hat die Kleine in einer Schublade geschlafen? Ich glaube, dass macht sogar in meiner Fantasie keinen Sinn. Die Suppe war wohl doch nicht so gut und Nänni hatte Recht.
Ich höre weiter meinem Spielzeug zu und gehe den anderen hinterher in die Küche. Als die Kleine eine Luke im Boden gefunden hat, muss ich wohl erstmal aufhören zuzuhören. Wir alle wollen nach unten gehen. Also eigentlich erstmal Ginda, weil sie die kleinste ist, glaube ich. Dann gehen wir doch alle runter. Echt eng und dunkel hier unten. Ich musste an Gom denken. Früher war der auch dauernd in dunklen und engen Höhlen. ‚N bisschen meschugge war der schon irgendwie. Aber bin ich auch und das ist lustig. Ach so, der Tunnel unter der Küche… es war dunkel und eng, zum Glück hab ich meinen Leuchtring dabei. Die Große muss ganz hinten gehen, weil…, also weil naja.., sie ist groß… in alle Richtungen eben. Sie ist eben so rund, wie sie lang ist. Oder so breit wie stark? Wie auch immer, sie ist halt ganz hinten. Vor vorne allerdings, können wir jetzt Stimmen hören… und Geschrei… und Wasser….











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